Macbeth
Von William Shakespeare
In die Schlacht sind sie gezogen, sie haben den Sieg errungen, ihrem Big Boss in gegnerischer Phalanx blutige Bresche geschlagen, nun feiern Bad Mec und Bloody Ben und erwarten Dank und Belohnung.
Ben jedoch schielt schon wieder zur Gattin des Mec, von diesem schlicht Lady geheißen, und die Lady schielt zurück. Sie ist ihren Mec, der großen Schlachten nur für seinen Boss schlägt, abgekämpft zu Hause hingegen ein Langeweiler ist, leid: seine testosterongefüllte Kommunikations-Brutalität wie seine sie nur gelegentlich in Anspruch nehmenden Vanilla-Sex-Gelüste. Von Ben erwartet sie sich mehr, viel mehr, und den Mec will sie ihm zuliebe abschaffen.
Dem Trunkenen suggeriert sie darum, dass er selber doch Boss sein könne, dass er, Mec, Big Boss werde, wenn er diesen über die Klinge springen lasse. Bad Mec plagen einige Skrupel, dann aber geht er auf die Lady ein – und die triumphiert: Der Mörder, weiß sie, wird gefasst, abgeurteilt werden, und sie wird mit Ben die Freiheit und die Lust genießen – Bloody Ben weiß die Intrigante als den von ihr Verführten auf ihrer Seite.
Als Bad Mec nach blutiger Tat – seinen Big Boss hat er in die Hölle geschickt – den jolly good fellow Ben als Zeuge seiner mörderischen Tat mundtot gemacht wissen will, täuscht die Lady ihm vor, Ben selber ausschalten zu wollen, und, einen weiteren Rauschzustand nutzend, suggeriert sie ihm, nur ein gegen ihn aufziehender Wald und ein von keinem Weib geborener Mann könne ihm, dem neuen Big Boss, gefährlich werden.
In größter Unbekümmertheit, in hemmungslosester Sorglosigkeit aber wird Bad Mec schließlich erfahren, dass er verführt, verraten und betrogen worden ist. Und als der große Wald der tückischen Lady gegen ihn aufzieht und der von keinen Weib geborene Mann, der vor der Zeit aus dem Mutterleib geschnittene Bloody Ben ihn attackieren, begehrt er ein letztes Mal auf: gegen seine Hybris, gegen seinen Machtwillen, gegen seine Vermessenheit, und muss – „In tyrannos!“ – doch sterben.
Mit Gerd Buurmann, Janett Bobel und Thorsten-Kai Botenbender.
Inszenierung: Burkhard Schmiester.
Anmerkungen zum "Macbeth"
Die Verführbarkeit des Menschen, sein Wille zur Macht, jenseits von Gewissen und Skrupel: das ist Shakespeares Thema in seinem Drama „Macbeth“, die Hybris eines Großen, der noch größer werden wollte, der aber stürzte, von bösen Mächten, von Hexen verführt. Dass er König werden könne, flüstern die ihm zu, dass er den herrschenden König darum aber morden müsse, nötigt ihn Lady Macbeth.
Und Macbeth mordet: erst den König, dann die Zeugen seiner Tat, all seine Widersacher – seine Freunde fliehen vor ihm. Macbeth wird zum Tyrannen, zum Monster, gegen jede Moral und Ethik versündigt er sich, badet immer tiefer im Blut – bis er, der der Menschenwürde hoffärtig trotzt, tief fällt, es fällt auch sein Kopf ...
Die gnadenlose Hybris des Menschen, seine Gier zur Größe, seine Machtwille aber bleibt in anderen Köpfen, sind Stoff für weitere Tragödien Shakespeares, und wenn Macbeth den Einflüsterungen böser Mächte unterliegt, so z.B. braucht Richard III keine Außerirdischen, er beschließt selber, ein Bösewicht zu werden. Und über Schillers Wallenstein, („Wär's möglich? Könnt' ich nicht mehr, wie ich wollte? Nicht mehr zurück, wie mir's beliebt? Ich müsste die Tat vollbringen, weil ich sie gedacht?“) führt der dramatische Weg der Machtgier in die Moderne: unerschöpflich ist den Autoren diese menschliche Schattenseite.
Wenn das Severins-Burg-Theater in der Regie von Burkhard Schmiester Shakespeares „Macbeth“ bearbeitet nun vorzeigt, gilt die Intention der Arbeit sicherlich der Schwäche des Macbeth und seiner Hybris, nicht aber im Kontext der Schlachtfelder, der Krieger und Heerführer einer royalen Hierarchie, es braucht auch keine schottischen Hochmoore und Hexen: die Gier und Gewalt fördernde Atmosphäre sucht diese Inszenierung im Privaten, in den gewissermaßen unter dem Teppich und der Bettdecke lauernden Ängsten, in den Verletzungen aus Gewohnheit und Eitelkeit – in der Psychopathologie des Alltagslebens also. Sichtbar bleiben da nur noch Macbeth, ein Workaholic, die Lady mit ihrem Hausfrauenfrust, Banco, der Freund und Nebenbuhler, ein Gemenge für die daraus entstehenden Affekte bis zu einem die drei verbindenden wie trennenden Trauma zum Tod.
Ohne Hexen ist der Alteritätskonflikt, das Problem des Außenseiters, die Tragik der Menschen ein gesellschaftliches a priori.
Aktuelle Termine im März 2010: Freitag, 12.03., Samstag, 13.03., Sonntag, 14.03., Mittwoch, 17.03., Freitag, 19.03., Samstag, 20.03., Sonntag, 21.03., Mittwoch, 24.03., Donnerstag, 25.03., Freitag, 26.03., Samstag, 27.03.; jeweils um 20 Uhr
Severins-Burg-Theater
Eifelstraße 33
50677 Köln
Kartenreservierungen unter Tel. 0221 / 32 17 92