
Am 22. Jänner 2010 wäre
Kiki Kogelnik 75 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass erinnerte sich die österreichische
Kunst- und Kulturszene vor einigen Wochen dieser Ausnahmefrau. Mühelos schaffte sie den Sprung in die Neue Welt, zählte
Andy Warhol,
Roy Lichtenstein und
Sam Francis zu ihren engsten Freunden und wollte dann aufgrund ihrer europäischen Wurzeln doch nicht Teil der Ostküsten
Pop Art sein. Trotzdem ist sie vielen als für diese
Kunstrichtung typisches „
Gesamtkunstwerk“ in Erinnerung geblieben.1 Untrennbar, so scheint es, ist der New Yorker Künstler der 60er und 70er mit den Medien, der Werbung, dem Selbst- und dem Fremdbild beschäftigt. Die
Selbstinszenierung (über ihren Kleidungsstil) gehört wie das Infragestellen von Geschlechterrollen zweifelsohne zu den wichtigsten Strategien von
Kogelniks Kunst. Traditionelle Begriffe wie
Skulptur, Körperbild und die Differenz zwischen
High- und Low-Art, zwischen
Kunst und Kitsch, stellte sie mit ihren bunten und doch stets hintergründigen Arbeiten auf den Prüfstand.
„Kunst kommt von künstlich“ (Kiki Kogelnik über Kunst)
Entscheidend für diesen Werdegang war für die
Künstlerin ein Aufenthalt in Paris 1958/59. War sie zuvor dem Informel und dem
Abstrakten Expressionismus nahe gestanden, so folgte sie danach
Sam Francis in die USA – und mit der neuen Lebenserfahrung fand sie um 1961 zu einer gänzlich neuen Ausdrucksform. Es hellte sich nicht nur ihre Palette auf (eigentlich wurde sie durch die leuchtenden bis schrillen Farben der Werbung ersetzt), sondern sie begann auch mit Figuren und Symbolen zu arbeiten. Manche der frühen Arbeiten erinnern an
Fotogramme –
fotografische Abdrücke der direkt auf dem beleuchteten
Film platzierten Objekte. Wie bereits in ihrer abstrakten Phase sollte die Fläche des
Bildträgers betont und Dreidimensionalität zurückgedrängt werden. Bereits in den 60er Jahren entwickelte sie dafür die für
Kogelnik charakteristische Reduktion des Körpers auf seine Umrisslinie. In dieser Zeit begann sie sich auch mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft zu beschäftigen. In
Bildern stellt sie die „genetische“ Zusammengehörigkeit von Frauen und Scheren als Symbol des Haushalt und des (nützlichen) Handwerks aber auch Instrument der Mode in Frage.
Kiki und die Schere – die „Waffe der Frau“
Gleichzeitig begann
Kiki Kogelnik aber auch selbst immer öfter zur Schere zu greifen. Seit 1962 erstellte sie „
Porträts“ ihrer inzwischen immer berühmter werdenden Freunde, indem sie deren Silhouetten auf Packpapier festhielt. Diese CUT OUTS wurden Mitte der 60er zu HANGINGS, d.h. die Schablonen aus buntem Vinyl gefertigt und an Kleiderbügeln aufgehängt. Der
Künstler als Schatten seiner selbst, fernab jeglichem Zelebrieren mystischer Kreativität? Spontan erinnern diese Installationen an die schwindende Bedeutung des Einzelnen in der Massengesellschaft, während
Künstler wie
Kiki Kogelnik in ihrer teils schrillen
Selbstdarstellung die Marke, das Subjektive besonders in den Mittelpunkt stellten. Gleichzeitig wird aus der Schere als einem Symbol von Machtverhältnissen (Frau – Haushalt) ein Instrument der Befreiung. „
The woman`s liberation“ bzw. „
Superwoman“ inszenieren weibliche Selbstbehauptung über Körperhaltung, Kleidung und der ironischen Positionierung der Schere als „
Waffe der Frau“. Die Motive fand
Kogelnik in den boomenden Modejournalen, deren leichte Konsumierbarkeit und Vorbildwirkung sie durch neue Lesarten und Ergänzungen für ihre Zwecke nutzte. Das gesamte Werk von
Kiki Kogelnik ist durchzogen von dieser Freude am Subversiven, am Konventionellen/Unkonventionellen und am gleichzeitig unangestrengt Karikieren herrschender Verhältnisse.
Venezianische Köpfe
Die wohl berühmtesten Werke von
Kiki Kogelnik sind die „
Venezianischen Köpfe“, die die Künstlerin in Zusammenarbeit mit der Glasmanufaktur Berengo fertigte. 1994 entstanden erste Arbeiten auf Vermittlung der
Galerie Judith Walker (siehe Abb. 6). Das Material Glas war der
Künstlerin anfangs unvertraut, schnell war sie jedoch von seiner Wirkung fasziniert. Für
Kogelnik war seine Metamorphose von heiß und zähflüssig zu hart und kalt ein Symbol für die vier Elemente. Seine Durchsichtigkeit erinnerte sie an das Wasser von Venedig. In
Adriano Berengo fand
Kogelnik einen kongenialen Glasmachermeister, der seinerseits das jahrhundertealte Wissen um Produktion und Formmöglichkeiten einbrachte.
Kiki Kogelnik hatte sich bereits seit den frühen 1970er Jahren mit Köpfen aus glasierter Keramik beschäftigt. Das Glas erlaubte ihr aber aufgrund seiner Lichtdurchlässigkeit und der Leuchtkraft der Farben einen völlig neuen, gleichzeitig aber auch „alten“, poppigen, humorigen Ausdruck.
Der umfangreiche und vielgestaltige Nachlass der
Künstlerin wird in der
KIKI KOGELNIK FOUNDATION Wien New York, einer amerikanischen Privatstiftung, verwaltet und ist darüber auch zugänglich.
In Memoriam
Kiki Kogelnik produzierte der ORF die Dokumentation „
Kikis Kosmos – Die Kunst der Kiki Kogelnik“.
Die Kunsthalle Wien zeigt ab 5. November 2010 in der Ausstellung „Power Up! – Female Pop Artists“ Kiki Kogelnik gemeinsam mit Evelyne Axell, Pauline Boty, Sister Corita Kent, Marisol und Niki de Saint Phalle.
Biografie:
geboren 22.1.1935 in Bleiburg/Kärnten
1954 Beginn des Studiums an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien (Graphik bei Schwarz, Bildhauerei bei Knesl)
1955-1958 Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien (Malerei bei Albert Paris Gütersloh, Besuch des Abendakts bei Herbert Boeckl)
1958-1959 Aufenthalt in Paris
1961 Übersiedlung nach Santa Monica
1962 Übersiedelung nach New York
Arbeitet in New York, Wien und Bleiburg
Gestorben 1.2.1997 in Wien
Abbildungen:

Abb. 1: Kiki Kogelnik – Strassenaktion „KUNST KOMMT VON KÜNSTLICH“, 1967,Wien ©KIKI KOGELNIK FOUNDATION Wien New York

Abb. 2: Kiki Kogelnik, Selfportrait, 1964, Oil and Arylic on Canvas ©KIKI KOGELNIK FOUNDATION Wien New York

Abb. 3: Kiki Kogelnik, Superwoman, 1973, Oil and Acrylic on Canvas ©KIKI KOGELNIK FOUNDATION Wien New York

Abb. 4: Kiki Kogelnik, Seventh Ave. People

Abb. 5: Kiki Kogelnik, Vietnam, 1970, Ink on Paper ©KIKI KOGELNIK FOUNDATION Wien New York

Abb. 6: Installationsansicht der Venezianischen Köpfe von Kiki Kogelnik in der Galerie Judith Walter (Kärnten)
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